About
Hintergrund
Ich habe freie Kunst mit Schwerpunkt Bildhauerei und Performance in Saarbrücken studiert (2011–2017). Doch schon während meinem Studium ist mein künstlerischer Ausdruck immer theatraler geworden. So scheint es mir rückblickend nur konsequent, dass ich danach relativ schnell meinen Weg ins Theater und die darstellende Kunst gefunden habe. Dort arbeite ich seitdem als Performer*, Theatermacher* und Ausstatter*. Auch wenn mich die bildende Kunst zweifelsohne prägt und weiter begleitet, so ist doch das Theater meine große Liebe.
Mein Hintergrund in Bildhauerei ist mitbestimmend für meine kreative Perspektive, mein Denken in Räumen und Objekten. Meine kreativen Konzepte beginnen oft bei starken Bildern und Eindrücken, die vor narrativen und dramaturgischen Strukturen stehen. Diese Denkweise schlägt sich vor allem in meiner intensiven Recherche für und Arbeit an Bühnenelementen, Kostümen und Requisiten nieder. Sie sind für mich nie bloß Hilfsmittel, um eine Figur oder Stimmung zu charakterisieren. Vielmehr begreife ich sie als eigene Akteure, deren Materialität und räumliche Präsenz mit den Darstellenden interagiert und von Anfang an mitgedacht werden muss und nicht, wie so oft, ein nachträglicher Gedanke ist.
Als Performer* komme ich aus der Tradition der bildenden Kunst, doch üben Formen wie klassisches Schauspiel, Puppenspiel und Musical eine besondere Faszination auf mich aus. So finde ich mich zu Weilen in klassischem Sprechtheater als auch in experimentellen performativen Kontexten, sowie in wilden Mischformen wieder.
Inhaltliches
Meine frühen Arbeiten, die zwischen 2016 und 2019 entstanden sind (tearing apart, Mudamarah hunts und Hexe & Hirsch) erkunden Funktionsweisen von Ritualen, versuchen, sich rituelle Wirkkraft zu eigen zu machen. Rituale markieren Prozesse von Übergang und Verwandlung. Sie übersetzen diese Prozesse in institutionalisierte Handlungsweisen, machen sie dadurch sowohl wirksam, als auch ästhetisch erfahrbar. Rituale konstituieren Identität. Sie sind durch ein Regelwerk bestimmt, brechen räumlich und zeitlich begrenzt mit Normalität, bestätigen und festigen die Normen einer Gesellschaft. Rituale sind ein Ausnahmezustand, der zwischen verschiedenen Zuständen vermittelt. Diese Arbeiten sind Explorationen bestimmter Transformationsprozesse und gleichzeitig deren Versinnlichung. Die Verwendung von Masken erlaubt es mir, die intensive Beschäftigung mit meiner eigenen Identität von mir zu abstrahieren und eine Distanz zu schaffen. Und obwohl die Arbeiten ihren Ausgangspunkt in sehr individuellen Erfahrungen haben, verweisen die Masken auf die Auflösung des Individuums in rituellen Prozessen.
Meine Faszination für die Wirkweise ritueller Räume bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit. Im Gegensatz zu meinen anfänglichen Arbeiten, liegt mein Interesse heute aber nicht mehr in der Kreation bestimmter ritueller Bilder, vielmehr nutze ich die Parallelen zwischen performativen und rituellen Strategien, um immersive Räume zu schaffen, denen transformative Potentiale innewohnen. Beispiele hierfür ist meine Arbeit innerhalb der Gruppe um Sibylle Peters, die für die Projekte Queens: der Heteraclub, touching you, Shotgun Wedding und Dicks verantwortlich ist.
Diese Projekte bilden einen wichtigen Werkkomplex, der mir die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit Sexualität und Geschlechtsidentität ermöglichte. Themen, die auch schon implizit Teil meiner rituellen Performances waren. Dieser Themenkomplex hat mich seitdem weiter begleitet und ist zu einer weiteren Säule meiner künstlerischen Arbeit geworden. Mehr als nur mein künstlerisches ist es mir auch ein politisches Anliegen. Ich will Lebens- und Weltentwürfe abseits hegemonialer Machtstrukturen ausloten und erforschen. Wie können wir uns emanzipieren von unseren Genderrollen? Wie lieben und Beziehungen führen abseits heteronormativer Monoamorie? Ich will Schönheitsideale hinterfragen und Erotik neu denken. Mich fasziniert die Vermischung von Seltsamkeit und Absurdität mit erotischen Bildern, die Irritation und im doppelten Sinne komischen Momente, die so entstehen können. Dabei sind klassisch queer geprägte Bühnenformate wie Drag, Burlesque und Cabaret große Inspirationsquellen für mich.
Meine eigene queere Welterfahrung ist dabei zwar mein Ausgangspunkt, aber ich bin stets bestrebt mit anderen Künstler*innen aus der Community zusammenzuarbeiten, deren Perspektive dann meine ergänzt und erweitert. Abgesehen von Sibylle Peters’ Projekten in denen ich mitwirken durfte, sind meine Arbeiten Cabaret Chouchou, FischHerz, Ein Stück Liebe und Oddli Andersfisch Explorationen dieses Themenkomplexes.
Die letzteren beiden Projekte sind Stücke für junges Publikum, die ich gemeinsam mit meinem Ex-Kollektiv Pretty Playful Productions realisiert habe. Gemeinsam haben wir von 2018–2024 eine Reihe von Stücken für junges Publikum verschiedensten Alters gemacht, von Stücken für ganz junge Kinder (Wenn Farben lebendig werden, Musterfieber, Sound in a Box, Wildgewusel und Oddli Andersfisch) bis zu Stücken für Teenager bis 18 (Ein Stück Liebe, rumräumen). Und auch wenn wir seitdem getrennte Wege gehen, bin ich weiterhin begeistert von der Arbeit mit und für Kinder.Mein Bestreben in meiner Arbeit für junges Publikum war es immer, Stücke zu machen, die Kinder nicht nur als passive Konsumenten in den Bann ziehen, sondern sie dazu animiert ihrer eigenen Vorstellungswelt und Schöpferkraft zu vertrauen. Zentral in meiner Arbeit für Kinder ist für mich, Theater zu machen, das Kinder als Gegenüber ernst nimmt, das nicht didaktisch oder belehrend ist, sondern ihnen weiten Interpretationsspielraum lässt, für eigene Gedanken und Schlüsse.